Geschichte
des Elisabeth Alten- und Pflegeheimes
„Humanität
zu üben, ist die oberste Pflicht eines Freimaurers. Im Jahre
1795 wurde diese Pflicht zur Tat!“ |
Auch die heutige Schanzenresidenz – der Name wurde 2008 anstatt des im Alltag des modernen Menschen negativ belasteten Begriffs Pflegeheim als Zusatz gewählt – ruht auf den freimaurerischen Werten der Freiheit, Toleranz und Selbstbestimmung. Diese Verbundenheit zu einem humanitären Weltbild spiegelt sich auch heute noch im Alltag der Schanzenresidenz wider. |
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Das Freimaurerkrankenhaus als Keimzelle
der modernen Sozialversicherung1795
Als die Vereinigten fünf Hamburgischen Logen ihren Plan eines Krankenhauses für minderbemittelte Personen realisierten, gab es noch keinen Ansatz für eine wie auch immer geartete Sozialversicherung. Speziell für Dienstboten gab es keine Absicherung im Krankheitsfall. Denn das im Jahre 1788 veröffentlichte „Hamburger Armenrecht“ , nach dem alle Erkrankten in das zentrale Krankenhaus an der Bürgerweide eingeliefert und dort behandelt wurden, schloss Dienstboten ausdrücklich von der Behandlung aus. Für diese sollten die jeweiligen Herrschaften verantwortlich sein. Die Folge war, dass häufig eine Erkrankung auch gleichzeitig eine Kündigung nach sich zog.
Um diesem sozialen Missstand entgegen zu treten, gründeten die Vertreter der Logen 1793 einen Fonds zur Gründung eines Krankenhauses. Gleichzeitig sollte die Einrichtung ein Beispiel dafür sein, dass die unsäglichen Verhältnisse in dem staatlichen „Pesthof“ nicht einfach hin zu nehmen wären. Bereits nach zwei Jahren konnte durch großzügige Spenden Hamburger Freimaurer und anderer Bürger ein erstes Gebäude am Dammtorwall in der Nähe des Logenhauses eröffnet werden. Der Betrieb konnte allerdings nicht allein durch Spenden garantiert werden. Die Logenvertreter gründeten daher einen zweiten Fonds, in dem
jeder Haushalt, der Dienstboten beschäftigte, jährlich die Summe von drei Mark Courant einzahlte. Als Gegenleistung erhielt der Haushalt das Recht, seine Dienstboten im Krankheitsfall im Spital behandeln zu lassen. Da auch in der damaligen Zeit gutes Personal nicht leicht zu bekommen war, zahlten sehr viele Haushalte diese durchaus tragbare Summe ein. Die spätere Idee der Bismark’schen Sozialgesetze, nach denen der Arbeitgeber auch eine soziale Verpflichtung gegenüber seinen Angestellten hatte,
fand hier einen ihrer Ursprünge.
Das Krankenhaus entwickelt sich
1804
Bereits nach wenigen Jahren hatte sich das Krankenhaus einen überaus guten Ruf erworben und galt als eines der besten Häuser der Stadt. Aufgrund der überaus großen Nachfrage erhielt das Haus dann 1804 auch eine Männerabteilung. Die Spendenaufrufe der Freimaurer erzielten die für damalige Verhältnisse unglaubliche Summe von 34.000 Mark, mit der das Haus erweitert werden konnte.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Haus zu einem der besten Krankenhäuser der Stadt, in das auch mehr und mehr „private“ Patienten gingen, um sich von Krankheiten heilen zu lassen.
Der Umzug an den heutigen Standort
1885
Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 beschloss der Senat, dass die Festungsanlagen der Stadt nun nicht mehr notwendig waren und begann mit der umfassenden Schleifung. Hieraus ergab sich für das Freimaurer-Krankenhaus die Möglichkeit, aus der beengten Stadt auszuziehen. Denn die aufstrebende Medizin hatte im ausgehenden 19. Jahrhundert immer größere Anforderungen an Raum und technischen Einrichtungen, die am
Dammtorwall nicht zu realisieren waren. Der Senat stellte den Logen daraufhin ein Gelände an der ehemaligen Bastion „Sternschanze“ zur Verfügung, um ein neues Haus zu bauen. 1885 eröffnete das Freimaurer-Krankenhaus am heutigen Ort im Kleinen Schäferkamp auf den ehemaligen Wällen der Stadt.
Der damalige Bürgermeister Carl Petersen sprach zur Eröffnung: „Mit Freude und Befriedigung habe ich von der hiesigen Medicinal-Anstalt vernommen, dass es sich bei dem Krankenhaus um eine Musteranstalt handele. Möge Sie Hamburg zum Segen und Heil gereichen“.
Der Nationalsozialismus
1933
Totalitäre Systeme aller Schattierungen sind per se Gegner der Freimaurerei. So war es nur natürlich, dass die Nationalsozialisten neben den Juden ihren größten Feind in den Freimaurern sahen. Es war daher nur folgerichtig, dass das Freimaurer-Krankenhaus bereits im Jahr 1933 gezwungen wurde, sich in das Krankenhaus Deutscher Orden umzubenennen. Hintergrund für die Namensänderung war der Versuch der Hamburger Logen, einem Verbot zu entgehen, indem sich die Bruderschaft als „Deutscher Orden“ neu aufstellte.
Die braunen Machthaber ließen sich aber davon nicht beirren, alle Organisationen der Freimaurer wurden aufgelöst, das Krankenhaus konnte gerade noch rechtzeitig vor dem Zugriff der Nazis durch die Gründung eines Vereins „Krankenhaus Deutscher Orden“ gerettet werden. Dieser Verein wurde Träger des Krankenhauses. Die notarielle Schenkungsurkunde an den Verein wurde am 7. Mai 1933 unterzeichnet. Rein rechtlich gesehen, hatten damit die Freimaurer ihr Krankenhaus verloren.
Diese Tatsache führte nach dem 2. Weltkrieg zu erheblichen Rückanspruchs-Schwierigkeiten, da erst bewiesen werden musste, dass diese Entscheidung der Logen nur durch Zwang zustande kam.
Die Machtübernahme kostete auch im Krankenhaus Menschenleben: Der Vorsitzende des Krankenhauses Cäsar Wolf wurde bereits am 13. Mai daran gehindert, „sein“ Krankenhaus zu betreten. Als Jude und Freimaurer sei er in diesem Hause künftig unerwünscht. Diese Erniedrigung nahm sich Wolf so zu Herzen, dass er in seine Wohnung ging und dort seinen alten Wehrmachtrevolver, die er als Offizier im 1. Weltkrieg getragen hatte, holte. Auf der Straße vor dem Eingang des Krankenhauses erschoss sich Cäsar Wolf dann am Nachmittag des gleichen Tages. Heute erinnert ein „Stolperstein“ an die Stelle des Schusses; das Grab von Cäsar Wolf war lange verchollen und wurde erst 2009 auf dem Ohlsdorfer Friedhof entdeckt, wo er von seiner Familie in aller Stille undquasi heimlich begraben worden war.
Die Logenhäuser der Freimaurer wurden vernichtet oder anderen Zwecken zugeführt. Das Krankenhaus war dagegen während des gesamten Krieges geöffnet und konnte viel Leid unter der Bevölkerung verhindern.
Der Wiederaufbau
1946
Als die Menschen nach dem größten Massaker in der Menschheitsgeschichte aus dem Schock des Totalitarismus erwachten, lag Hamburg in Trümmern. Wie durch ein Wunder war das Haus am Kleinen Schäferkamp beinahe unversehrt geblieben. Lediglich einige Dachziegel und Fensterscheiben mussten ersetzt werden. So konnte das Krankenhaus sofort weiterarbeiten und die Not der Bürger und der zurückkehrenden Soldaten mindern.
Einer der prominentesten Patienten war dabei wohl der Hamburger Dramatiker Wolfgang Borchert, der mit verschleppter Gelbsucht und Diphtherie die erste Zeit seines neuen Lebens in der jetzt „Elisabeth-Krankenhaus“ genannten Einrichtung verlebte. Obwohl die englischen Besatzungsbehörden der Freimaurerei positiv gegenüberstanden und selbst diverse Freimaurer
in ihren Reihen hatten, dauerte es doch einige Zeit, bis die während des Krieges im Untergrund agierenden Logen wieder aktiv werden konnten. Dennoch trafen sich bereits am 19. November 1945 überlebende Freimaurer zu einer konstituierenden Sitzung, auf der auch das Eigentumsrecht am „Elisabeth-Krankenhaus“ ausgesprochen wurde. Dennoch bedurfte es zäher Verhandlungen mit dem Senat, bis endlich 1954 die Vereinigten Fünf Hamburgischen Logen ihr Eigentum wieder bekamen. Das Krankenhaus wurde zu einem eingetragenen Verein, Mitglieder waren und sind jedes Mitglied der Vereinigten 5 Hamburgischen Logen, jede Loge bestellt zwei Vertreter in den Vorstand.
Das Krankenhaus wuchs und gedieh, vor allem die Geburtshilfe machte sich schnell einen weit über den Stadtteil hinausragenden guten Ruf.
Das Elisabeth Krankenhaus wird zum
Alten- und Pflegeheim1984
Bereits in den sechziger Jahren wurde im Vorstand diskutiert, inwiefern die moderne medizinische Versorgung noch mit dem Ideal der alten Freimaurer übereinstimmte, das das Haus ein Hort für Notleidende sein solle.
Krankheit war im modernen Sozialsystem nicht mehr die Katastrophe, die es einstmals gewesen war. Als neues Arbeitsgebiet für eine soziale Einrichtung wurde dann das Thema Altenpflege akut und der Vorstand begann sich mit der Thematik der besonderen Notsituation von alten und kranken Menschen zu befassen.
Es dauerte dann aber noch bis 1984, bis das Elisabeth-Krankenhaus für immer seine Pforten schloss und nach umfangreichen Umbauten das Elisabeth Alten- und Pflegeheim der Freimaurer eröffnete.
Bis heute setzt sich das Heim unter der Trägerschaft der Vereinigten fünf Hamburgischen Logen dafür sein, dem alten Menschen in der besonderen Notlage von Alterserkrankungen zu helfen, unabhängig von seiner Religion, seinem gesellschaftlichen Stand und seinem finanziellen Leistungsvermögen.
Die neue Residenz trat in die freimaurerische Tradition der stillen Sozialarbeit und bietet vielen Menschen, die vielleicht sonst allein in ihren Wohnungen verkümmern würden, eine neue Heimat.





