Geschichte

des Elisabeth Alten- und Pflegeheimes

„Humanität zu üben, ist die oberste Pflicht eines Freimaurers. Im Jahre 1795 wurde diese Pflicht zur Tat!“

Mit diesen Worten wurde am 3. Oktober 1795 das Freimaurerkrankenhaus zu Hamburg durch die Vereinigten fünf Hamburgischen Logen seiner Bestimmung übergeben. Bis heute hat sich an dieser Aussage nichts geändert, auch wenn das damalige Freimaurerkrankenhaus seit 1985 als Alten- und Pflegeheim eine Heimat für pflegebedürftige Menschen geworden ist.

Auch die heutige Schanzenresidenz – der Name wurde 2008 anstatt des im Alltag des modernen Menschen negativ belasteten Begriffs Pflegeheim als Zusatz gewählt – ruht auf den freimaurerischen Werten der Freiheit, Toleranz und Selbstbestimmung.

Diese Verbundenheit zu einem humanitären Weltbild spiegelt sich auch heute noch im Alltag der Schanzenresidenz wider.

Das Freimaurerkrankenhaus als Keimzelle
der modernen Sozialversicherung

1795

Als die Vereinigten fünf Ham­burg­ischen Log­en ihren Plan eines Kran­ken­hauses für min­der­be­mit­tel­te Per­so­nen real­isier­ten, gab es noch kei­nen An­satz für eine wie auch im­mer ge­art­ete Sozial­ver­sicher­ung. Spe­ziell für Dienst­bo­ten gab es kei­ne Ab­sicher­ung im Krank­heits­fall. Denn das im Jahre 1788 ver­öffent­lichte „Ham­burger Armen­recht“ , nach dem alle Er­krank­ten in das zent­rale Kranken­haus an der Bür­ger­weide ein­ge­lie­fert und dort be­han­delt wurden, schloss Dienst­boten aus­drück­lich von der Be­hand­lung aus. Für diese sol­lten die je­wei­li­gen Herr­schaf­ten ver­ant­wort­lich sein. Die Folge war, dass häu­fig eine Er­krank­ung auch gleich­zeit­ig eine Kündi­gung nach sich zog.

Um diesem sozialen Missstand entgegen zu treten, gründeten die Vertreter der Logen 1793 einen Fonds zur Gründung eines Krankenhauses. Gleichzeitig sollte die Einrichtung ein Beispiel dafür sein, dass die unsäglichen Verhältnisse in dem staatlichen „Pesthof“ nicht einfach hin zu nehmen wären. Bereits nach zwei Jahren konnte durch großzügige Spenden Hamburger Freimaurer und anderer Bürger ein erstes Gebäude am Dammtorwall in der Nähe des Logenhauses eröffnet werden. Der Betrieb konnte allerdings nicht allein durch Spenden garantiert werden. Die Logenvertreter gründeten daher einen zweiten Fonds, in dem

jeder Haushalt, der Dienstboten beschäftigte, jährlich die Summe von drei Mark Courant einzahlte. Als Gegenleistung erhielt der Haushalt das Recht, seine Dienstboten im Krankheitsfall im Spital behandeln zu lassen. Da auch in der damaligen Zeit gutes Personal nicht leicht zu bekommen war, zahlten sehr viele Haushalte diese durchaus tragbare Summe ein. Die spätere Idee der Bismark’schen Sozialgesetze, nach denen der Arbeitgeber auch eine soziale Verpflichtung gegenüber seinen Angestellten hatte,
fand hier einen ihrer Ursprünge.

Das Krankenhaus entwickelt sich

1804

Bereits nach wenigen Jah­ren hat­te sich das Kran­ken­haus einen über­aus gu­ten Ruf er­wo­rben und galt als ein­es der be­sten Häu­ser der Stadt. Auf­grund der über­aus großen Nach­fra­ge er­hielt das Haus dann 1804 auch eine Männer­abtei­lung. Die Spen­den­auf­rufe der Frei­maur­er erziel­ten die für da­mal­ige Verhäl­tnis­se un­glaub­li­che Sum­me von 34.000 Mark, mit der das Haus er­wei­tert wer­den konnte.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Haus zu einem der besten Krankenhäuser der Stadt, in das auch mehr und mehr „private“ Patienten gingen, um sich von Krankheiten heilen zu lassen.

Der Umzug an den heutigen Standort

1885

Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 be­schloss der Sen­at, dass die Fe­stungs­an­lag­en der Stadt nun nicht mehr not­wend­ig waren und be­gann mit der um­fassen­den Schlei­fung. Hier­aus ergab sich für das Frei­maurer-Kranken­haus die Mög­lich­keit, aus der be­eng­ten Stadt aus­zuz­iehen. Denn die auf­stre­ben­de Medi­zin hatte im aus­gehen­den 19. Jahr­hun­dert im­mer größe­re An­ford­erung­en an Raum und tech­nischen Ein­richt­ungen, die am

Dammtorwall nicht zu realisieren waren. Der Senat stellte den Logen daraufhin ein Gelände an der ehemaligen Bastion „Sternschanze“ zur Verfügung, um ein neues Haus zu bauen. 1885 eröffnete das Freimaurer-Krankenhaus am heutigen Ort im Kleinen Schäferkamp auf den ehemaligen Wällen der Stadt.

Der damalige Bürgermeister Carl Petersen sprach zur Eröffnung: „Mit Freude und Befriedigung habe ich von der hiesigen Medicinal-Anstalt vernommen, dass es sich bei dem Krankenhaus um eine Musteranstalt handele. Möge Sie Hamburg zum Segen und Heil gereichen“.

Der Nationalsozialismus

1933

Totalitäre Systeme aller Schat­tierung­en sind per se Gegner der Frei­maure­rei. So war es nur na­tür­lich, dass die Na­tional­sozia­listen neben den Juden ihren größten Feind in den Frei­maur­ern sahen. Es war daher nur fol­ge­rich­tig, dass das Frei­maur­er-Kranken­haus be­reits im Jahr 1933 ge­zwungen wurde, sich in das Kranken­haus Deut­scher Or­den um­zu­be­ne­nnen. Hinter­grund für die Namens­änder­ung war der Ver­such der Ham­burger Logen, einem Verbot zu ent­gehen, indem sich die Bruder­schaft als „Deut­scher Orden“ neu auf­stel­lte.

Die brau­nen Macht­haber ließen sich aber da­von nicht beir­ren, alle Organi­satio­nen der Frei­maurer wur­den auf­gelöst, das Kranken­haus kon­nte gera­de noch recht­zeitig vor dem Zu­griff der Nazis durch die Gründung ei­nes Ver­eins „Kranken­haus Deut­scher Orden“ geret­tet werden. Die­ser Ver­ein wurde Trä­ger des Kranken­haus­es. Die notar­iel­le Schenkungs­urkunde an den Verein wurde am 7. Mai 1933 unter­zeichnet. Rein recht­lich gesehen, hat­ten damit die Frei­maurer ihr Kranken­haus verloren.

Diese Tatsache führte nach dem 2. Welt­krieg zu er­heb­lichen Rück­an­spruchs-­Schwier­ig­kei­ten, da erst be­wie­sen wer­den muss­te, dass die­se Ent­scheidung der Lo­gen nur durch Zwang zu­stande kam.

Die Macht­über­nahme koste­te auch im Kran­ken­haus Menschen­leben: Der Vor­sitz­ende des Kranken­hauses Cäsar Wolf wurde bereits am 13. Mai daran ge­hin­dert, „sein“ Kranken­haus zu betreten. Als Jude und Frei­maurer sei er in diesem Hause künf­tig un­er­wünscht. Diese Er­niedrig­ung nahm sich Wolf so zu Her­zen, dass er in seine Wohn­ung ging und dort sein­en al­ten Wehr­macht­revolver, die er als Of­fi­zier im 1. Welt­krieg ge­trag­en hatte, hol­te. Auf der Straße vor dem Ein­gang des Kranken­hauses er­schoss sich Cäsar Wolf dann am Nach­mit­tag des glei­chen Tages. Heute erin­nert ein „Stol­per­stein“ an die Stel­le des Schusses; das Grab von Cäsar Wolf war lange ver­chol­len und wurde erst 2009 auf dem Ohls­dorf­er Fried­hof ent­deckt, wo er von seiner Familie in al­ler Stil­le undquasi heimlich begraben worden war.

Die Logenhäuser der Freimaurer wurden vernichtet oder anderen Zwecken zugeführt. Das Krankenhaus war dagegen während des gesamten Krieges geöffnet und konnte viel Leid unter der Bevölkerung verhindern.

Der Wiederaufbau

1946

Als die Menschen nach dem größten Massaker in der Menschheitsgeschichte aus dem Schock des Totalitarismus erwachten, lag Hamburg in Trümmern. Wie durch ein Wunder war das Haus am Kleinen Schäferkamp beinahe unversehrt geblieben. Lediglich einige Dachziegel und Fensterscheiben mussten ersetzt werden. So konnte das Krankenhaus sofort weiterarbeiten und die Not der Bürger und der zurückkehrenden Soldaten mindern.

Einer der prominentesten Patienten war dabei wohl der Hamburger Dramatiker Wolfgang Borchert, der mit verschleppter Gelbsucht und Diphtherie die erste Zeit seines neuen Lebens in der jetzt „Elisabeth-Krankenhaus“ genannten Einrichtung verlebte. Obwohl die englischen Besatzungsbehörden der Freimaurerei positiv gegenüberstanden und selbst diverse Freimaurer

in ihren Reihen hatten, dauerte es doch einige Zeit, bis die während des Krieges im Un­ter­grund agierenden Logen wieder aktiv werden konnten. Dennoch trafen sich bereits am 19. November 1945 überlebende Freimaurer zu einer konstituierenden Sitzung, auf der auch das Eigentumsrecht am „Elisabeth-Krankenhaus“ ausgesprochen wurde. Dennoch bedurfte es zäher Verhandlungen mit dem Senat, bis endlich 1954 die Vereinigten Fünf Hamburgischen Logen ihr Eigentum wieder bekamen. Das Krankenhaus wurde zu einem eingetragenen Verein, Mitglieder waren und sind jedes Mitglied der Vereinigten 5 Hamburgischen Logen, jede Loge bestellt zwei Vertreter in den Vorstand.

Das Krankenhaus wuchs und gedieh, vor allem die Geburtshilfe machte sich schnell einen weit über den Stadtteil hinausragenden guten Ruf.

Das Elisabeth Krankenhaus wird zum
Alten- und Pflegeheim

1984

Bereits in den sechziger Jahren wurde im Vorstand diskutiert, inwiefern die moderne medizinische Versorgung noch mit dem Ideal der alten Freimaurer übereinstimmte, das das Haus ein Hort für Notleidende sein solle.

Krankheit war im modernen Sozialsystem nicht mehr die Katastrophe, die es einstmals gewesen war. Als neues Arbeitsgebiet für eine soziale Einrichtung wurde dann das Thema Altenpflege akut und der Vorstand begann sich mit der Thematik der besonderen Notsituation von alten und kranken Menschen zu befassen.

Es dauerte dann aber noch bis 1984, bis das Elisabeth-Krankenhaus für immer seine Pforten schloss und nach umfangreichen Umbauten das Elisabeth Alten- und Pflegeheim der Freimaurer eröffnete.

Bis heute setzt sich das Heim unter der Trägerschaft der Vereinigten fünf Hamburgischen Logen dafür sein, dem alten Menschen in der besonderen Notlage von Alterserkrankungen zu helfen, unabhängig von seiner Religion, seinem gesellschaftlichen Stand und seinem finanziellen Leistungsvermögen.

Die neue Residenz trat in die freimaurerische Tradition der stillen Sozialarbeit und bietet vielen Menschen, die vielleicht sonst allein in ihren Wohnungen verkümmern würden, eine neue Heimat.